Aus der Kirche St. Elisabeth ist 2017 die Digital Church geworden. Was  passiert hinter den ehemals heiligen Wänden? Dieser Frage gehen wir in unser neuen Rubrik „Neues aus der Digital Church“ nach.

Zahlreiche StartUps sind dort tätig. Start-Ups nennt man Firmen, die eine innovative Geschäftsidee mit hohem Wachstumspotenzial haben – junge Firmen in der Gründungsphase. Eine davon ist cityscaper, die im Januar beim Demoday den Zuschauerpitch (also kompetitiver Kurzvortrag) gewonnen haben. 180 per Live-Stream zugeschaltete Unternehmer:innen und Investor:innen wählten die Firma aus 11 Teams aus. 

cityscaper! Das sind die beiden Gründer Sebastian und Robin, die seit Mitte 2020 in der Digital Church beheimatet sind. Noch werden sie durch eine Exist-Förderung, die Ausgründungen aus Universitäten fördert und dem Fujitsu Hub-Stipendium finanziert. Ihre Geschäftsidee ist schon so weit vorangeschritten, dass sie Mitarbeiter:innen suchen und erste Kund:innen haben.

Ihre Idee ist simpel. Mit Augmented Reality (AR) projizieren Sie Visionen und Projekte dreidimensional in die Umgebung. 

Aber was ist das? Sie kennen Pokemon Go? Also das Spiel bei der man durch die Gegend läuft und Monster einsammelt. Nur das cityscaper keine Monster auf das Tablet oder Mobiltelefon projiziert sondern Architekturdaten einarbeitet. Nutzer:innen können so  Zukunftsprojekte in der Wirklichkeit vor Ort erleben und interaktiv darüber diskutieren. Die Kommunikation über komplexe Projekte wird erleichtert und macht einen inspirierenden und konstruktiven Austausch mit allen Beteiligten möglich.

Während bei Pokemon Go kleine Monster auf dem Boden platziert wurden, fügt cityscaper ganze Gebäude in das Kamerabild ein. Egal wo man steht und in welche Richtung man schaut, das virtuelle Gebäude steht an der richtigen Stelle in der Wirklichkeit. So können Nutzer:innen die Planungsumgebung begehen und virtuell verändern und gleichzeitig immer schauen, wie ihre Ideen vor Ort aussehen. Klingt nach Zukunftsmusik? Ist es aber nicht.

So haben die beiden Entwürfe zum Büchel-Parkhaus digital mit der Realität verknüpft. Zunächst haben sie die Umgebung und das alten Parkhaus digitalisiert, um anschließend das Parkhaus durch digitale Inhalte zu ersetzt. Das Kamerabild wird um virtuelle Inhalte erweitert, sodass der täuschend echte Eindruck entsteht, das neue Gebäude wäre bereits gebaut. 

Pocemon Go fügt Monster in das
Realbild – cityscaper ganze Gebäude 

Aber was macht cityscaper besser als ein 3D-Modell der Planung wie es Architekt:innen erstellen? Durch Augmented Reality wird die Umgebung erweitert. Es entsteht nicht nur einfach ein Modell des Neuen sondern eine Mischung aus dem Bestand und der Zukunft. So lassen sich Zusammenhänge besser nachvollziehen, Sichtbeziehungen werden deutlich und die Planung wird aus der Sicht der späteren Nutzer:innen bewertet. Dadurch können souveräne Entscheidungen in der Planung getroffen werden.

Planung und fiktionale Welt, Relationen und Proportionen – ein gemeinsames Verständnis für Veränderungen unser Lebensumgebung. Vor Ort kann jede:r einfach das Telefon zücken und die Zukunft aus allen Perspektiven begreifen. Da die Daten digital vorliegen, ist die Änderung von Materialien direkt möglich und man kann bei einem Haus die Wirkungsweise von verschiedenen Fassaden und Fenstern ausprobieren. 

Zu ihrer Zielgruppe gehören Stadtplaner:innen, Architekt:innen und Projektentwickler:innen. Infrastrukturprojekte sind ebenfalls darstellbar. So lässt sich der richtige Standort für ein Windrad finden oder die Trassierung einer Stromtrassen entwickeln.  

Noch in diesem Jahr wird die App zur Plattform erweitert, um Bauvorhaben zu präsentieren. In einem Web Infoboard kann das 3D Modell betrachtet und weitere Hintergrundinfos zum Projekt abgelegt werden. Zuhause oder im Büro sind virtuelle Rundgänge durch das Modell möglich, ohne vor Ort zu sein. Ein digitaler Zwilling der Zukunft wird so für alle zugänglich und Planungen transparent und verständlich. 

Wer jetzt Lust auf cityscaper hat und an Webentwicklung, Computergrafik oder Gameentwicklung arbeiten möchte – aber auch jede:r der an Technik interessiert ist, kann sich melden. Auf der Website gibt es auch ein kleines Bewerbungsspiel – einfach mal ausprobieren