Tempel, nein Paläste der Arbeit, ob Jahrhunderthalle, Schirmfabrik oder Opel-Haus an der Jülicher Straße. Allen Investoren Anfang des 19. Jahrhunderts war eine repräsentative Wirkung ihrer Betriebe wichtig. In der neuen Reihe Besondere Gebäude-Geschichten in Aachen Nord stellen wir Ihnen einige dieser besonderen Immobilien vor. In diesen Gebäuden wirkt noch der Geist von vor über 100 Jahren. 

Ein historisches Gebäude steht an der Jülicher Straße. Wer weiß noch, dass Aachen einstmals eine Autostadt war, mit Werken von Fafnir, Cudell, Büssing, Scheibler, Mannesmann-Mulag, Goossens, Lochner & Co. und Talbot? Die Jülicher Straße war eine Automeile. Hier wurden von 1904 bis 1925 im Fafnir Werk verschiedene Fahrzeugtypen in Handarbeit her. Dabei produzierte man 1925 mit 300-400 Monteuren 120 Fahrzeuge im Jahr. Die Opelwerke schafften das 30-Fache in Fließbandarbeit.

Schräg gegenüber entstand 1928 das „Opelhaus“ der Niederlassung der Adam Opel AG, Belgien, Niederlande an der Jülicher Straße. Es war in der Weimarer Republik als Werkstatt und Parkhaus am Ende der Autobahn geplant. Zudem wurden Wohnungen mit einem hohen Standard und hoher Qualität für die Mitarbeiter erstellt. Alles im Bauhaus-Stil vom Aachener Architekten Fritz Tourraint entworfen. Eine große Werkshalle, die teilweise unterkellert ist. Ein großer Turm und eine große Einfahrt mit Tank- und Servicestelle und Parkplatz entstanden. In einem Pavillon ohne Fenster wurden die aktuellen Modelle gezeigt.

Dann kam der Krieg, und es wurden keine privaten Fahrzeuge mehr hergestellt und ausgeliefert. General Motors hatte bereits 1928/29 die Adam Opel AG übernommen und zog sich aus der Niederlassung zurück. Es war eine von vier Niederlassungen nach dem Krieg, die nicht verkauft waren. So kam die Firma Thüllen an die Jülicher Straße. Bereits 1928 war die Firma aus Burtscheid Chevrolette-Händler für den ganzen Aachener Kreis geworden. Im Jahr 1935 wurde Opel Thüllen gegründet. Im Krieg hielt man sich mit einer eigenen Spedition über Wasser. Die Opel-Lastwagen waren stark genug um die Materialien für den Westwall zu transportieren.

Nach dem Krieg kaufte die Firma Thüllen das „Opelhaus“ 1954. Der Automarkt boomte in den 50ern und 60ern, sodass  sogar das große Gebäude zu klein wurde. 1973, mitten in der Ölkrise, fing Opel Thüllen mit dem Neubau am Rotter Bruch an. 1964 übernahm Theo Thüllen die Geschäftsleitung. In den USA sah er, wie man auch mit Gebrauchtwagen Geld verdienen kann. Da Gebrauchtes individuell ist, muss es auch gut präsentiert werden. Verlor die Firma an der Jülicher Straße noch Geld durch Gebrauchtes, änderte sie dies am Rotter Bruch durch eine große Präsentationsfläche.

Zum Glück fand sich für das Opelhaus schnell ein neuer Mieter. Die Firma Elegance zog an die Jülicher Straße. Dafür wurde sogar die Front geschlossen, da der Modeversand mehr Bürofläche benötigte. 2011 verließ Elegance das Opelhaus. Für die große Halle fand sich schnell ein neuer Mieter: Die Post AG. Das Gebäude wurde komplett saniert, wobei der Charakter beibehalten wurde. Ein neues Business Zentrum entstand. Große Fenster wurden zur Innenseite eingesetzt, damit die Räume mehr Licht und Offenheit bekamen. Die Immobilie lebt!

So dauerte es auch nicht lange, bis sich neue Mieter einfanden, ein Start-Up Center mit Edodip, Netzwerkfirmen und Arbeitsvermittlung entstand.

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